Gute Bildung für alle - Voller Saal bei SPD-Bildungsdiskussion

„Der Bund muss wieder mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Bildungspolitik erhalten. Das Kooperationsverbot im Grundgesetz gehört dringend abgeschafft!“ Mit diesen Worten gab der Kreis Pinneberger SPD-Bundes-tagsabgeordnete Dr. Ernst Rossmann den Startschuss für die Diskussion zur Bildungspolitik, zu der auf Einladung des Abgeordneten die Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein Wara Wende und die Bildungsexpertin im Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, Yasemin Karakasoglu, nach Elmshorn gekommen waren. Über 80 Gäste mit Interesse und beruflicher Kompetenz in Bildungsfragen waren zu diesem Bildungsforum in das Café Auszeit gekommen.

 „Wirklich niemand kann verstehen, warum der Bund sich nicht mehr am Ausbau und der Verbesserung von Bildungsangeboten im schulischen Bereich beteiligen darf. Die CDU trägt Scheuklappen und verhindert die notwendige Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen!“, betonte Rossmann und machte klar, dass sich die SPD hierfür weiter nachdrücklich einsetzen wird. Insbesondere der Ausbau von Ganztagsschulen ist nach Auffassung des Sozialdemokraten nur durch eine enge Zusammenarbeit der drei Staatsebenen schnell zu realisieren. Yasemin Karakasoglu: „Der Bedarf an guten Ganztagsschulen ist riesengroß. Das erfordert sowohl bauliche Investitionen als auch Ausbau des Personals.“ Die Bildungsexpertin erläuterte, wie sich die SPD ein Vier-Milliarden-Programm für den Ausbau von Ganztagsschulen bis 2017 vorstellt. „Dieses Programm soll auch dazu dienen, vorhandene Ganztagsschulangebote zu verbessern und das Lehr- und Fachpersonal zu fördern! Dazu gehört auch die Erweiterung des beruflichen Spektrums an Ganztagsschulen, die dann mehr ist als eine reine Lehrkräfteschule“, so die Bremer Hochschulprofessorin.

 

Eine Schlüsselfunktion im Bildungssystem komme auch den Kindertagesstätten zu. Hier werde bereits der Grundstein für eine erfolgreiche Schulzeit gelegt. Durch bedarfsgerechte Kitaplätze und eine Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher soll die Chancengleichheit im Bildungssystem hergestellt werden. „Die starke Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und dem Bildungserfolg der Kinder muss aufgehoben werden!“ forderte Karakasoglu. Weiter müssten Kindertagesstätten und Schulen stärker auf interkulturelle Erziehung setzen. Karakasoglu: „Dies ist eine Frage des Respekts im Umgang mit Verschiedenheit.“

 Die Landesbildungsministerin Wara Wende hob positiv hervor, was sich in der Bildungspolitik in Schleswig-Holstein durch den Regierungswechsel im letzten  Jahr geändert hat. „Mehr als 700 Lehrerstellen, die von der CDU abgebaut werden sollten, behalten wir nun im System und an unseren Schulen und sorgen damit für bessere Lernverhältnisse für unsere Schülerinnen und Schüler“, nannte die Bildungsministerin ein Beispiel für die Prioritätensetzung der Landesregierung. Besonders stolz ist Wende aber darauf, dass den Schulen neben Lehrerstellen zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stünden, um sich mit Sozialpädagogen, Schulpsychologen oder auch IT-Kräften zu verstärken. Hierfür stellt die Bildungsministerin aus ihrem Etat in den nächsten Jahren bis zu elf Millionen Euro zur Verfügung.

 In der Diskussion mit dem fachkundigen Publikum von Lehrerinnen und Lehrer sowie Sozialpädagogen, die ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag in die Diskussion einbrachten, wurden insbesondere Fragen zur Inklusion und Integration aufgeworfen. Hier habe Schleswig-Holstein schon einen hohen Grad der gemeinsamen Unterrichtung erreicht, der jetzt aber auch zu Konsequenzen in der Lehreraus- und –weiterbildung führen müsse. auch die Probleme in der Fachlehrerversorgung wurden angesprochen sowie die soziale Lage bei befristeten Vertragsverhältnissen. Wara Wende: „ An diesen Baustellen sind wir dran, um Flexibilität mit Sicherheit möglichst gut zu verbinden.“