Neue Wege beim Thema Pflege beschreiten

„Mit dem Thema Pflege haben wir als Elmshorner SPD eine Fragestellung aufgenommen, die in unserer älter werdenden Gesellschaft immer wichtiger wird,“ nimmt die Elmshorner Landtagskandidatin Beate Raudies aus der angeregten Diskussionsrunde unter dem Motto „Die gute Pflege - alles klar in Schleswig-Holstein“ mit.

Bei der Versammlung, zu der die Elmshorner SPD in der vergangenen Woche neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch die Mitarbeiter von Pflegediensten und -einrichtungen eingeladen hatte, ist schnell klar geworden, dass die gute Pflege eine große Zukunftsaufgabe sein wird.

2,4 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, 85.000 Betroffene in Schleswig-Holstein, 800.000 Pflegekräfte in Deutschland sind die Zahlen, mit der die Referentin des Abends, die Landtagsabgeordnete Birte Pauls, schnell die Dimensionen darstellt.

Die 2009 in den Landtag gewählte Landespolitikerin ist aufgrund ihrer 23-jährigen Tätigkeit im Pflegeberuf und ihrer Erfahrungen, die sie in Deutschland und Dänemark sammeln konnte, eine ausgewiesene Fachfrau und deshalb auch Sprecherin für ihre Fraktion im Bereich Pflege, „der für die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein kein Nischenthema ist.“

Neue Wege in der Pflege zu gehen, ist für Pauls schon aufgrund des demographischen Wandels und der dadurch wachsende Anzahl pflegebedürftiger Menschen unausweichlich.

„Hierbei gilt es insbesondere, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten,“ fordert die Landtagsabgeordnete und verweist darauf, dass die Quote der Erwerbstätigen im Bereich Pflege von derzeit 3 Prozent auf 8 Prozent im Jahr 2050 steigen muss.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist neben Green-Card-Regelungen und qualifizierter Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen zu Pflegekräften für Pauls eine Reform der Ausbildung unausweichlich: „Wir müssen von den derzeit sehr zufälligen Strukturen der Ausbildung zu einer einheitlichen Modulausbildung mit Differenzierungsmöglichkeiten und vor allem mit durchlässigen Aufstiegsmöglichkeiten kommen.“

Ein besonderes Ärgernis sind für die Landtagsabgeordnete die anfallenden Ausbildungskosten. „Außerhalb der staatlichen Förderung, die im viel zu geringen Umfang bereitgestellt wird, müssen die Menschen, die einen Pflegeberuf ergreifen wollen, für ihre Ausbildung 360 Euro pro Monat an die Krankenpflegeschulen zahlen,“ so Pauls.

Für die pflegepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion muss deshalb im Rahmen einer neu zu schaffenden Berufsordnung für den Pflegeberuf die Ausbildung von den Krankenpflegeschulen entweder in die Berufsschulen eingegliedert werden oder im Zuge eines dualen Ausbildungssystem erfolgen.

Neben den Ausbildungsbedingungen sind für Pauls aber auch die Arbeitsbedingungen ein Thema. „Wir müssen im europäischen Vergleich feststellen, dass in keinem anderen Land so viele Pfleger innerhalb von 10 Jahren diesen Beruf wieder aufgeben,“ berichtet die Landtagsabgeordnete und führt diese Tatsache zum einen darauf zurück, dass „Pflege in Deutschland derzeit rein ökonomisch ausgerichtet ist und weiche Faktoren so gut wie keine Rolle spielen“, zum anderen aber auch „auf die derzeit übliche Bezahlung mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro im Westen und 7,50 Euro im Osten.“

„Nur mit besseren Verdienstaussichten und einer neuen Definition der Pflegebedürftigkeit, die auch ein besseres Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen ermöglicht,“ wird es nach Ansicht der pflegepolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion möglich sein, mehr und besser qualifizierte Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen, „denn wir müssen im europäischen Vergleich auch bedenken, dass in 25 Ländern das Abitur die Voraussetzung für den Zugang zu qualifizierten Pflegeberufen ist.“